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Thronkriege, Burgen und Kloster Heisterbach - die Zeit der Staufer

Stauferzeit
Hochmittelalter: Einleitung Ottonen Salier Staufer

Die Burgruinen Drachenfels, Löwenburg und Rosenau, die Kirchenruinen auf dem Petersberg und Kloster Heisterbach erinnern an die Zeit der Staufer. Caesarius von Heisterbach ist einer der wichtigsten Zeitzeugen.

Ausland
1180-1223
Philipp II. August von Frankreich
1187
Saladin erobert Jerusalem
1189-1199
Rirchard I. "Löwenherz"
1198-1216
Papst Innozenz III.
1199-1216
Johann Ohneland von England
1209-29
Albigenser-Kreuzzüge

Der Bau der Burgen

Im Rheintal sind uns zahlreiche Burgen erhalten geblieben; im Siebengebirge sind es die Burgruinen Drachenfels, Löwenburg und Rosenau. Von der ehemals mächtigen Burg Wolkenburg ist nichts mehr zu sehen. Als erste Burg im Siebengebirge entstand um 1118 Burg Wolkenburg; Bauherr war der Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg. Die Burgen Rolandseck und Wolkenburg sicherten sein Territorium nach Süden. Doch die Grafen von Sayn und die Grafen von Berg machten dem Erzbistum die Vorherrschaft im Rheinland zunehmend streitig.

Ab 1140 ließ Erzbischof Arnold I. von Merxheim auf dem Drachenfels eine Burg bauen. Unter Abt Gerhard von Are vom Bonner St. Cassius-Stift wurde sie 1167 fertiggestellt.

Burg Drachenfels war eine Gipfelburg, gut geschützt durch ihre Lage. Angreifer konnten kaum schweres Belagerungsgerät herauf bringen; zudem waren sie Brandpfeilen, Steinen und Pechnasen ausgesetzt. Das war schon zur Zeit Kaiser Friedrichs I. Barbarossa und seines Kanzlers, dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel.

Das Reich ist heilig! Friedrich I. Barbarossa

Friedrich I. Barbarossa war in vielem der Inbegriff eines mittelalterlichen Kaisers, ritterlich und von seiner hohen Aufgabe erfüllt. Doch gerade ihn trafen die nach dem "Gang nach Canossa" Kaiser Heinrichs IV. veränderten Machtverhältnisse zwischen Kaiser und Papst mit voller Wucht. Papst Hadrian IV. brachte ihn zur Weißglut; um seine Kaiserkrone musste Friedrich regelrecht schachern. In jenen Jahren entstand in der staufischen Kanzlei der Begriff "Heiliges Reich" (sacrum imperium). Mehrfach zog Friedrich I. Barbarossa nach Italien, führte einen jahrelangen, erbitterten Krieg gegen norditalienischen Städte, dabei ließ er 1162 sogar Mailand zerstören. Zwei Jahre später, brachte Rainald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige als Kriegsbeute nach Köln.

"Höfische Zeit" Minnesang und Heldenepen

Zu Pfingsten 1184 feierten Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Kaiserin Beatrix von Burgund ein glanzvolles Hoffest in Mainz. Es war der erste Höhepunkt der "Höfischen Zeit", einer Blütezeit von Kunst und Literatur, von Minnesang, Heldenepen und Rittertums Viele große Minnesänger waren zugleich Ritter. Friedrich von Hausen gehörte zum Stab Barbarossas, Otto von Botenlauben war Kreuzfahrer.

Der christliche Ritter musste sich im Kampf auszeichnen, aber auch durch "höfliches" Verhalten am Hof, und vor allem muss er das Christentum auch leben und die Schwachen schützen. In jener Zeit entstanden Heldenepen wie das Nibelungenlied, höfische Romane wie Wolfram von Eschenbachs Parzival und Willehalm sowie Hartmann von Aues Erec und Iwein.

Die Regionalmächte im Siebengebirge

Erzbistum Köln Erzbischof Philipp von Heinsberg (1167-1191) war einer der mächtigsten Männer im Reich. 1189 holte Erzbischof Philipp von Heinsberg Zisterzienser auf den Petersberg. Das hat auch politische Gründe, denn wo sich die Zisterzienser niederließen und ihre Kirche bauten, da konnte kein anderer eine Burg hinstellen. 1189 holte Erzbischof Philipp von Heinsberg Zisterzienser auf den Petersberg. Das hat auch politische Gründe, denn wo sich die Zisterzienser niederließen und ihre Kirche bauten, da konnte kein anderer eine Burg hinstellen.

Der Tod auf dem Kreuzzug

Aus dem Nahen Osten kamen bedrohliche Nachrichten: Im Juli 1187 hatten die Araber unter Sultan Saladin ein christliches Heer vernichtend geschlagen; Anfang Oktober war Jerusalem gefallen. Der hochbetagte Kaiser nahm das Kreuz und brach 1189 mit Philipp II. von Frankreich und Richard I. Löwenherz von England auf. Mit dabei waren auch Graf Heinrich II. von Sayn und Graf Engelbert I. von Berg.

Doch für die deutschen Ritter endete der Kreuzzug in einer Katastrophe. Friedrich I. Barbarossa verstarb 1190 im Saleph, einem kleinen Gebirgsfluss in Anatolien. Unzählige Menschen und Tiere starben vor Erschöpfung, Hunger und Durst und in den ständigen Gefechten unterwegs; Jerusalem sahen sie nie. Von den ungefähr 15.000 ausgezogenen Rittern kamen nur 1.000 zurück. Einer der wenigen Heimkehrer war Heinrich II. von Sayn.

Das kurze Weltreich

Auf Barbarossa folgte sein Sohn Heinrich VI. Verheiratet ist er mit Konstanze von Hauteville, der Erbin des Königreichs Sizilien. Aber die normanni-schen Barone haben andere Tatsachen geschaffen, Heinrich musste Süditalien und Sizilien erobern. Nach seiner Kaiserkrönung in Rom zog er weiter nach Süden, doch bei Neapel brach eine Seuche im kaiserlichen Lager aus. Auch der Kaiser erkrankte schwer, Erzbischof Philipp von Heinsberg starb. Der Feldzug wurde abgebrochen.

Dann hatte Heinrich unverschämtes Glück: König Richard I. Löwenherz von England fiel ihm in die Hände. Auf dem Rückweg vom Heiligen Land war er bei Wien gefangen genommen worden. Erst gegen ein gewaltiges Lösegeld, überbracht von seiner Mutter Eleonore von Aquitanien, und den Lehnseid für England kam Richard Anfang Februar 1194 frei. England stellte 200 Geiseln, unter ihnen war Richards Lieblingsneffe, der spätere Kaiser Otto IV.

Kloster Heisterbach

Schon 1193 zogen die Zisterzienser vom Petersberg ins Heisterbacher Tal. Unter dem zweiten Abt Gevard (1196-1209) und dem dritten Abt Heinrich I. (1208-1240) entstand in den Jahren von 1203 bis 1237 die Abteikirche - nicht nur einer der größten der Region, sondern auch ein bedeutendes Beispiel der Spätromanik in Deutschland. Vieles von dem, was wir heute über die Zeit von 1180 bis 1240 wissen, verdanken wir dem bekanntesten Mönch aus Heisterbach, Caesarius, der von 1199 bis 1240 im Kloster Heisterbach lebte. Die "wundersamen Geschichten" sind sein Hauptwerk.

Das kurze Weltreich

Mit dem Lösegeld für Richard Löwenherz in der Kriegskasse eroberte Heinrich VI. Sizilien und Süditalien. Am 25. Dezember 1194 wurde er in Palermo gekrönt; einen Tag später wurde sein Sohn geboren, Friedrich II. Das Reich war eine Weltmacht, der Kaiser aber war verhasst wegen seiner Skrupellosigkeit und Grausamkeit. Er scheiterte mit seinem Plan, die Krone für die Staufer vererbbar machen. 1197, auf dem Weg ins Heilige Land, verstarb der Kaiser in Messina. Sein plötzlicher Tod stürzte das Reich ins Chaos. Die Stauferherrschaft in Süditalien brach zusammen, seine Witwe Konstanze brach mit Deutschland.

Von Heinrich VI. sind Minnelieder überliefert. Mit seinem Bild beginnt der Codex Mannesse.

Thronkrieg

In Deutschland kam es zu einer Doppelwahl, es folgte ein jahrelanger Thronkrieg zwischen Philipp von Schwaben, dem jüngeren Bruder Heinrichs IV., und Otto von Braunschweig, dem Kandidaten der Staufergegner um die englandfreundlichen Kölner Handelsleute. Otto IV. war der Sohn Heinrichs des Löwen und der englischen Prinzessin Mathilde. Als Bub hatte er seinem Vater in die Verbannung folgen müssen, er war am englischen Hof in England und Westfrankreich aufgewachsen. Seinem Onkel Richard Löwenherz war er besonders eng verbunden. In den ersten Jahren war Otto durchaus erfolgreich. Er stiftete viel Gold für den Drei-Königs-Schrein in Köln. Doch Richard Löwenherz starbt plötzlich, sein Nachfolger König Johann "Ohneland" unterstützt Otto nur halbherzig, und Verbündete fielen von ihm ab. Auch das Rheinland wird schwer heimgesucht. "In dem Jahr, als König Philipp zum ersten Mal unser Erzstift verheerte .." schreibt Caesarius von Heisterbach.

Walters Spruchdichtung

Zwei Könige, geistliche und weltliche Fürsten stritten um Macht und Geld. Es verwundert nicht, dass unter diesen Bedingungen das Recht des Stärkeren galt.

Ich saz ûf eime steine .. Irgendwo im Reich saß Walther von der Vogelweide auf einem Stein und machte sich große Sorgen. Von Walther ist uns politische Dichtung überliefert, die Spruchdichtung. Dieses Lied, sicher eines seiner bekanntesten, gehört zum "Reichston". In drei Sprüchen beklagt Walther die Rechtsunsicherheit jener Jahre, den verheerenden Thron-streit zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig, und die Anmaßung des Papstes. Später hat Walther auch für Otto IV. gedichtet, im "Ottenton". Walter war Berufssänger, er lebte davon, dass die Fürsten ihm Aufträge gaben und ihn gut entlohnten. Wie Walther wirklich empfand, können wir heute nicht mehr sagen. Echt war sein Jubel, als er von Friedrich II. endlich ein Lehen und damit etwas materielle Absicherung bekam.

Bau der Löwenburg

Die Grafen von Sayn standen fest auf der Seite Ottos IV. Eine erbitterte Fehde tobte zwischen ihnen und Dietrich von Landsberg, einem Anhänger der Staufer. In den Jahren um 1200 entstand die Löwenburg. Bruno von Sayn, seit 1205 auch Kölner Erzbischof, kämpfte mit Otto. Er geriet in Gefangenschaft und wurde monatelang gefangen gehalten. Das Blatt wendete sich immer mehr zugunsten Philipps, sogar der Papst nahm Verhandlungen mit ihm auf. Als Otto am Ende schien, wurde Philipp 1208 in Bamberg ermordet.

Kaiser Otto IV.

Für eine kurze Weile regierte Otto IV. nun unangefochten im Reich. Am 4. Oktober 1209 krönte ihn Papst Innozenz III. zum Kaiser. Autoren und Sänger wirkten an seinen Hof. Wolfram von Eschenbachs Parzifal und das Nibelungenlied entstanden um die Wende 12./13. Jahrhundert. Otto war Kunstpatron und Stifter, sofern ihm sein bewegtes Leben dazu Zeit ließ. Das Kunsthandwerk blühte auf, mit seiner Förderung entstanden der Schrein der Heiligen Drei Könige in Köln und andere bedeutende Werke der Goldschmiedekunst. Vor allem aber war Otto IV. ein Ritter, und von ihm zum Ritter geschlagen zu werden, galt als besondere Ehre.

Niederlage in Bouvines

Doch als Otto IV., ganz auf der Linie der Staufer, Süditalien und Sizilien für das Reich zurückgewinnen wollte, kam es zum Bruch. "Herr Kaiser seid Ihr willkommen" sang Walther von der Vogelweide 1212 auf Ottos Frankfurter Hoftag. Doch einige Fürsten hatten sich schon gegen ihn verbündet und setzten auf den jungen Friedrich II. im fernen Palermo. Ein neuer Krieg um den Thron brach aus. Friedrich II. erhielt Unterstützung vom französischen König Philipp II., gegen Otto IV. und England. Lange Zeit sah es so aus, als bliebe das Land zwischen Staufern im Süden und Welfen im Norden geeilt. Dann zog Otto mit seinem Onkel, König Johann "Ohneland" von England, gegen Frankreich. Am 27. Juli 1214, in der Schlacht von Bouvines, erlitt er die entscheidende Niederlage. Im Reich war der Weg nun frei für Friedrich. England verlor fast alle Besitzungen auf dem Festland, König Johann musste 1215 die Magna Charta unterschreiben.

Graf Heinrich III. von Sayn

Heinrich III. von Sayn hatte bis zuletzt auf der Seite Ottos IV. gestanden. Erst spät schloss er seinen Frieden mit Friedrich II. Endlich beendete die Ehe mit Mechthild von Landsberg die erbitterte Fehde, der sein Vater und sein Onkel zum Opfer gefallen waren. Mechthild brachte umfangreichen thüringischen Landbesitz in die Ehe, und auch ihre Mutter Jutta zog an den Rhein. Der Graf wurde ein mächtiger und geachteter Mann; er war oft am Hof Friedrichs II. Mit seiner Frau Mechthild stiftete er zahlreiche Klöster und die Deutschherren-Kommende in Ramersdorf. Er stand in gutem Einvernehmen mit den Erzbischöfen von Köln. 1218/19 zog er mit dem Kreuzheer ins Heilige Land.

Stupor Mundi - Friedrich II.

Friedrich, der Sohn einer Normannin aus Sizilien und eines schwäbisch/burgundischen Vaters, war in Palermo aufgewachsen. Er hieß Friedrich nach seinem Großvater väterlicherseits, Friedrich I. Barbarossa, mit zweitem Vornamen Roger nach seinem Großvater mütterlicherseits, Roger II. von Sizilien. Sein mütterliches Erbe war Sizilien und Süditalien, sein väterliches das Stauferreich jenseits der Alpen. Beidem fühlte er sich verpflichtet, und so war sein Herrschaftsverständnis. Mit seiner umfassenden Bildung und seinem unbändigen Wissendrang verblüffte Friedrich II. schon seine Zeitgenossen.

Erzbischof Engelbert von Berg war einer der mächtigsten Männer im Reich. 1225 wurde er ermordet. Caesarius von Heisterbach schrieb seine Vita, ebenso die der Hl. Elisabeth von Thüringen.

Ketzerprozesse

Ausgerechnet der Kaiser, der sonst alles und jedes in Frage stellte, der mit den "Konstitutionen von Melfi" ein herausragendes Gesetzeswerk schuf und Universitäten gründete, erließ scharfe Gesetze gegen Ketzer. In seinen Augen stellten sie auch seine Herrschaft in Frage, und damit war Ketzerei ein Majestätsverbrechen. Die Ketzerbekämpfung übertrug er einem Fanatiker: Konrad von Marburg, dem unerbittlichen Beichtvater der verstorbenen Elisabeth von Thüringen. Konrad wollte "lieber 99 Unschuldige verbrennen als einen entkommen lassen". Bald loderten überall die Scheiterhaufen. Sogar Graf Heinrich III. von Sayn wurde angeklagt. Doch der mächtige Graf schaffte es, seinen Prozess der Sondergerichtsbarkeit Konrads zu entziehen und vor ein weltliches Gericht zu bringen. Dieses sprach ihn frei. Der tödliche Hass Konrads verfolgte ihn weiter. Vielleicht auch deshalb, weil das Sayner Grafenpaar Elisabeth so zugetan gewesen war. Schließlich wurde Konrad ermordet.

Der ferne Kaiser

Die 1230/40er waren bewegte Jahre für Friedrich II. Die oberitalienischen Städte kriegte er einfach nicht unter Kontrolle. Die seit jeher schwierige Beziehung zu seinem Sohn Heinrich (VII.) endete tragisch. 1235 war der Kaiser noch einmal in Deutschland; Köln hieß seine dritte Frau willkommen, Isabella von England. Es war ein letzter Höhepunkt der "höfischen Zeit". Der Papst aber verfolgte den Kaiser mit fanatischem Hass; 1239 bannte er ihn erneut. In den 1240er Jahren war Friedrich zumeist in seinem geliebten Apulien. Hier lebte auch Bianca Lancia, seine große Liebe. In jenen Jahren entstanden Castel del Monte und das Falkenbuch.

Das Ende der Stauferzeit

Als Friedrich nach vielen Schlägen endlich Grund zu vorsichtigem Optimismus hat, erkrankte er schwer an der Ruhr. Er verstarb am 13.12.1250 in Castel Fiorentino. Der Hass des Papstes verfolgt die Staufer über Friedrichs Tod hinaus. Seine Söhne Konrad IV. in Deutschland und Manfred in Süditalien starben im Kampf um ihr Erbe.

Die Zeit der großen Fürstenhöfe und Kunstmäzene war da längst vorbei. "Ich muoz klagen" sang der Tannhäuser. Graf Heinrich III. von Sayn verstarb in der Silvesternacht 1246/47, kinderlos. Seiner Frau Mechthild vermachte er die Löwenburg als Witwensitz, doch schon bald gibt es Erbauseinandersetzungen.

Ein gewaltiger Umbruch in Reich und Region stand bevor.

Bild- und Quellenachweis

Für die Bilder aus Jordanien möchte ich Annette Fleck herzlich danken.
Die übrigen Bilder sind eigene oder stammen aus der Public Domain Section der Wikipedia.