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Gab es den Rhenoceratops?

Rhenoceratops
Tricatops im Siebengebirge?

Am vergangenen Montag fand im Bonner Museum König eine Pressekonferenz statt, auf die sowohl die Fachwelt wie auch die Öffentlichkeit seit Monaten gespannt gewartet hatte. Vor drei Monaten hatten Archäologen auf der "Mondscheinwiese" zwischen dem Petersberg und dem Nonnenstromberg im Siebengebirge riesige Knochen gefunden. Nun würde der Chef-Paläontologe des Museums, Professor Dr. Hans-Osso Schmitz, das Ergebnis seiner Untersuchungen der merkwürdigen Knochenfunde im Siebengebirge bekanntgeben.

Der Pressesprecher der Hauses begrüßte die Gäste und fasste noch einmal kurz die Ereignisse zusammen. Die Ausgrabungen in Stieldorferhohn aus dem Jahre 1994 (im Zuge des Neubaus der ICE Strecke Köln-Rhein/Main) hatten viele neue Erkenntnisse über die späte Eisenzeit im Siebengebirgsraum gebracht. Ermuntert von diesem Erfolg sollte nun auf der "Mondscheinwiese" gegraben werden, denn man vermutete schon lange, dass hier einst eine prähistorische Siedlung gestanden hatte. So hatte sich ein Team von Archäologen unter Leitung von Dr. Heribert Spaten ans Werk gemacht.

Doch anstelle von Keramikteilen, Handwerkszeug und anderen stummen Zeugen der späten Eisenzeit stießen sie auf einmal auf Knochen - riesige Knochen, die weder zu einem Menschen noch zu einem Haus- oder Wildtier gehören konnten. Deshalb zogen die Archäologen gleich die Paläontologen aus dem Museum König in Bonn hinzu. Drei Monate lang wurden die Knochen vermessen und mit anderen prähistorischen Knochen verglichen; Fachliteratur und internationale Datenbanken wurden zu Rate gezogen.

Nun trat Professor Dr. Hans-Osso Schmitz ans Mikrophon. Auf einem langen Tisch im Raum lagen verschiedene Knochen. "Hier haben wir einen Hüftknochen. Nach unseren Berechnungen ist er ca. 45 Millionen Jahre alt. Er ist riesig und unsere Computerberechnungen haben ergeben, dass das Tier ca. 8 m lang gewesen sein muss. Solche Knochen, mit dieser Stellung des Schambeins, kennen wir von den Vogelbecken-Dinosauriern, den Ornithischiern. Dies hier sind Teile eines knöchernen Schildes, der das Tier gegen Angreifer schützen sollte, und dies hier könnte der Rest eines Horns gewesen sein."

Im Saal rumorte es, etwas Unglaubliches bahnte sich an. Der Knochen wäre ca. 45 Millionen Jahre alt, hatte der Professor gesagt, doch die Dinosaurier galten seit dem Ende der Kreidezeit vor ca. 65 Millionen Jahren als ausgestorben! Professor Dr. Schmitz machte eine kurze Pause, bevor er fortfuhr. "So unglaublich es klingt, meine Damen und Herren, dieses Tier gehörte zur Familie der Horn-Dinosaurier, der Ceratopsier." Schlagartig wurde es still im Raum. Professor Schmitz ging zu einer Paläo-Karte der Kreidezeit und erläuterte: "Sehen Sie, Ceratopsier lebten in der späten Kreidezeit, d.h., vor ca. 80 bis 65 Millionen Jahren. Wir wissen viel von Protoceratops, Triceratops und anderen Hornsauriern. Doch ihre Skelette wurden bisher nur in Asien und Nordamerika gefunden. Und vor allem: bisher gingen wir davon aus, dass nach dem Asteroiden-Einschlag von Chicxulub am Ende der Kreide alle Dinosaurier und viele andere Tierarten für immer verschwanden."

Der Knochen und das zugehörige Tier, gleich liebevoll "Rhenoceratops" getauft, gibt den Forschern nun neue Rätsel auf. Haben doch einige Dinosaurier die Katastrophe am Ende der Kreidezeit überlebt? Und wie kamen Ceratopsier nach Europa, ins Siebengebirge? "Schauen Sie", fuhr Professor Dr. Schmitz fort, "in der mittleren Kreide war der Meeresspiegel so hoch wie selten zuvor. Der Atlantik trennte Europa und Nordamerika. Später, gegen Ende der Kreidezeit, sank der Meeresspiegel wieder, aber auch so scheint es unwahrscheinlich, dass die Ceratopsier von Nordamerika nach Europa gewandert sind. Aber wir hätten auch nie gedacht, hier bei uns Ceratopsier-Knochen zu finden. Damit ist ein neues Kapitel in der Dinosaurier-Forschung aufgeschlagen!"

Ein neues Märchen aus eigener Feder

Bild- und Quellennachweis

Ein Triceratops im Naturkundemuseum Mailand stand Modell.