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Familienzwist auf Burg Drachenfels - die Zeit der Habsburger

Habsburger

An die Zeit der Habsburger erinnert uns das Kreuz am Kuckstein, etwas unterhalb der Nibelungenhalle. Hier soll 1493 Heinrich vom Drachenfels seinen Vetter Claus erschlagen haben - das schlimme Ende eines jahrzehntelangen Zwistes in der Familie der Burggrafen vom Drachenfels.

Ausland
1453
Fall Konstantinopels
1453
Ende des Hundertjährigen Kriegs
1455-1485
Rosenkriege in England
1492
Columbus erreicht Amerika
1494-1524
Krieg in Italien zwischen Habsburg und Frankreich

Nach dem Fall Konstantinopels 1453 ist die Bedrohung durch die Osmanen allgegenwärtig. Der Name "Heiliges Römisches Reich deutscher Nation" kommt auf, wird ab 1474 offiziell - nicht zuletzt, weil man die "Germania" des Römers Tacitus wieder entdeckt hat.

AEIOU - Friedrich III. (1440-1493)

Das Reich wird durch Fehdewesen und Raubrittertum heimgesucht, ohne dass Kaiser Friedrich III. Einhalt gebieten kann - seine Zeit gilt als Zeit der Stagnation. Doch als Habsburger, und das ist er mit Leib und Seele, ist er erstaunlich erfolgreich: Er überlebt seine Gegner einfach und beerbt sie dann. Stundenlang sinnt er über den Buchstaben AEIOU und findet immer neue Bedeutungen, z.B. "Alles Erdreich ist Österreich untertan."

Der Kampf um die Pfandschaften (1463-1469)

In fast 50 Jahren Amtszeit hat der Kölner Erzbischof Dietrich von Moers zahlreiche Kriegszüge geführt und das Erzbistum tief in die Schulden gestürzt. Ganze Ländereien sind verpfändet worden, u.a. die Wolkenburg 1425 an Godart vom Drachenfels. "Nicht ein Schloss, nicht eine Stadt, nicht einen Zoll haben wir unverpfändet angetroffen!" klagt sein Nachfolger Erzbischof Ruprecht von der Pfalz bei seiner Amtsübernahme.

Nun geht er daran, die verpfändeten Güter wieder an sich zu bringen - mit Gewalt. Sein Bruder, der Kurfürst von der Pfalz, schickt ihm seine Soldaten, genannt die "Böcke" zu Hilfe. Daraufhin schließen sich auch die Pfandherrn zusammen und bilden eine Truppe, die sich "Wölfe" nennt. Einer ihrer Anführer ist Claus vom Drachenfels, der Neffe des amtierenden neunten Burggrafen Heinrich. Erst im Januar 1469, und auch nur unter schweren Auflagen, kommt es zu einer Aussöhnung mit dem Erzbischof.

Familienzwist am Drachenfels

In der Familie der Burggrafen vom Drachenfels schwelt ein Konflikt. Heinrich, der neunte Burggraf, ist ein jüngerer Sohn; er war 1457 nur bis zur Volljährigkeit der Kinder seines früh verstorbenen älteren Bruders belehnt worden. Doch inzwischen sind Claus und seine Geschwister volljährig. Am 11.5.1470 kommt es zu einem Vergleich über das Erbe: Claus und seine Geschwister sollen den Drachenfels erhalten, Heinrich andere Güter der Familie. Doch diese Regelung wird zu Lebzeiten der beiden nicht umgesetzt. Heinrich stirbt kurz darauf und hinterlässt sechs unmündige Kinder.

Neußer Krieg (1473)

Die finanzielle Lage des Erzbistums Köln ist nach wie vor dramatisch. Das Domkapitel ernennt Hermann von Hessen zum Administrator und verspricht, ihn nach Abdankung Ruprechts zum Erzbischof zu erheben. Bald darauf stehen sich im Erzbistum Köln zwei verfeindete Parteien gegenüber. Claus und sein Bruder Godart vom Drachenfels bleiben auf Ruprechts Seite. Vermittlungsversuche des Papstes und der Kaisers scheiterten.

Als das Domkapitel Ruprecht zur Abdankung drängt, ruft der Karl den Kühnen, den mächtigen Herzog von Burgund, zu Hilfe. Karl der Kühne will sein Gebiet mit Gewalt erweitern und ist deshalb ein Feind des Kaisers, außerdem verbietet er eine Ehe seiner Tochter Maria mit dem Kaisersohn Maximilian.

Im Juli 1474 belagerte er mit seinem Heer Neuss. Der Kaiser ruft ein riesiges Reichsheer nach Koblenz zusammen und zieht in Richtung Neuss. Als sie vor der befestigten Stadt Linz stehen, entscheidet der Kaiser, zunächst die kleinen Orte in der Umgebung einzunehmen. Auch Königswinter mit den Burgen Drachenfels und Wolkenburg ergibt sich 1475. Als Friedrich III. sich Ende Mai 1475 Neuss nähert, zieht Karl der Kühne ab.

Zwei Jahre später wird er im Kampf getötet. Nun können Maximilian und Maria heiraten. Es ist nicht nur eine Liebesheirat, sondern auch eine vorteilhafte, denn sie bringt die reichen Länder Burgunds, die Niederlande, Belgien und Südostfrankreich, in die Ehe ein. Beide Kinder von Maximilian und Maria heiraten ins spanische Königshaus; Ehen ins jagiellonische Königshaus bringen Habsburg die Kronen von Ungarn und Böhmen ein.

Wirren um Claus vom Drachenfels

Die nachfolgenden Jahre 1477/78 sind von Wirren geprägt. Claus vom Drachenfels sieht sich selbst als (zehnter) Burggraf an und unterzeichnet als solcher. Doch nirgends findet sich eine Urkunde, die das belegt. Es kann gut sein, dass Urkunden verloren gegangen sind. Doch Claus, ein Parteigänger Ruprechts, bleibt auch später ein erbitterter Gegner Hermanns, daher ist es unwahrscheinlich, dass der Erzbischofs ihn als Burggraf eingesetzt hat. Vermutlich geht er nach einer Fehde 1477 außer Landes: 1478 steht er in den Diensten des österreichischen Erzherzogs und Thronfolgers Maximilian, der ihn schätzt. Danach tritt er in die Dienste des Trierer Erzbischofs.

Maximilian I. (1493-1519)

Nach dem Tod seines Vaters Friedrich III. wird Maximilian König. Er übernimmt ein zerrüttetes Reich, das durch Fehdewesen und Raubrittertum heimgesucht wurde. Auf einem Reichstag zu Worms 1495 wird eine umfassende Reichsreform verabschiedet, die eine reichsweite Steuer und einen Ewigen Landfrieden vorsieht. Die komplexen Strukturen des Reiches kann sie jedoch nicht aufbrechen.

Maximilian lebt in der Zeit des Übergangs zur Neuzeit. Mutige Seeleute haben Afrika, Asien und Amerika entdeckt, und bald verbinden Handelswege Europa mit diesen Kontinenten. Kaufleute und Banker wie die Familie Fugger in Augsburg machen ein Vermögen. Die Ideen des Humanismus verbreiten sich in Europa, und in den Stadtstaaten Norditaliens blüht die Kunst der Renaissance: Botticelli, Michelangelo und Leonardo da Vinci inspirieren Albrecht Dürer.

Der Kaiser selbst, hoch gebildet und ein Freund des Humanismus und der Renaissance, symbolisiert den Umbruch. Als "letzter Ritter" liebt er das burgundische Rittertum. Doch die Zeit der Ritter und der Burgen ist vorbei, Artillerie und Schusswaffen haben längst ihren Siegeszug angetreten. Als "Freund der Landsknechte" übt Maximilian oft und gerne mit den neuen Infanterie-Soldaten, und stundenlang kann er beim Gießen einer Kanone zusehen.

Die Löwenburg kommt zu Berg

Das Spätmittelalter hindurch hat es immer wieder Erbstreitigkeiten um die Löwenburg und das umgebende Land Löwenberg gegeben, die oft genug mit Waffengewalt ausgetragen wurden. Schließlich heiratet Herzog Wilhelm von Berg, der mächtigste Fürst in unserer Region, eine der Erbinnen und sucht eine gütliche Einigung mit dem Rest der Familie. So kommt das Land Löwenberg 1484 endgültig zu Berg und wurde zum "Amt Löwenberg".

Familiendrama am Drachenfels

In der Familie der Burggrafen auf dem Drachenfels dauert der Konflikt in der nächsten Generation an. Claus fühlt sich um sein Erbe betrogen. 1489 schließt er einen Vertrag mit seinem Vetter Heinrich und dessen Brüdern, doch der Streit schwelt weiter.

Als Claus 1493 nach längerer Abwesenheit zurückkehrt und Einlass verlangt, kommt es zum Streit - kurz darauf ist Claus tot. Am vermutlichen Tatort vor der Nibelungenhalle steht heute ein Kreuz. Über den Tathergang gibt es verschiedene Darstellungen. Es heißt, Heinrich habe mit seinen Knechten seinen Vetter niedergeknüppelt. Andere Darstellungen rechtfertigen zwar die Tat nicht, zeichnen aber ein schlechtes Bild von Claus.

Schließlich zieht der Kölner Erzbischof Hermann von Hessen zu einer Strafexpedition gegen Heinrich, den Täter, und seine Brüder, denen er Mittäterschaft vorwirft. Heinrich flieht außer Landes, seine Brüder Johann und Godart kapitulieren schließlich. Das anschließende Verfahren durch das Domkapitel zieht sich über Jahre hin, obwohl sich sogar Kaiser Maximilian für die Brüder einsetzt. Erst 1508 bekommen sie die Burgen Drachenfels und Wolkenburg zurück.

Heinrich, der letzte Burggraf aus der Familie der Drachenfelser

Auch Heinrich vom Drachenfels wird schließlich 1510 von Erzbischof Philipp II. von Daun (EB 1508-1515) begnadigt und kehrt zurück. Gemeinsam mit seinen Brüdern Johann und Godart ist er Amtmann des Amtes Wolkenburg, doch der Drachenfels bleibt ihm noch verwehrt.

Heinrichs Brüder versterben in den Jahren 1513/18, und Godarts Anteil fällt an seine Tochter Agnes Augusta und ihren Ehemann Dietrich von Mirelaer Herr zu Millendonk. Nun versucht ein anderer aus der Familie, Werner vom Drachenfels, seit 1487 Ritter des Deutschen Ordens, den Anteil für die Familie zurückzugewinnen. Es kommt zu einem langen Rechtsstreit, der durch Werners Tod 1524 beendet wird.

1525 wird Heinrich vom Drachenfels endlich als Besitzer einer Hälfte des Drachenfelses vom Kölner Erzbischof anerkannt und wieder als Burggraf eingesetzt. Die andere Hälfte gehört Dietrich von Mirelaer Herr zu Millendonk.

Doch Heinrichs droht ein neuer Erbstreit mit der Familie Waldbott von Bassenheim, in die Apollonia vom Drachenfels eingeheiratet hat. Ihre Söhne sind die nächsten Erben nach Claus vom Drachenfels, den Heinrich 1495 im Streit erschlagen hat. Man versöhnt sich, Heinrich wird zu Sühneleistungen verurteilt, doch die Erbsache wird nicht abschließend geregelt. Am 3.5.1530 verstirbt Heinrich, der elfte Burggraf aus dem Geschlechts der Drachenfelser - und der letzte.

Bild- und Quellenachweis

Bis auf das Foto vom Drachenfels stammen die Bilder aus der Public Domain Section der Wikipedia.