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Bundesrepublik Deutschland - Staatsgäste auf dem Petersberg

Bundesrepublik, Petersberg

Im letzten Kapitel geht es um die Bundesrepublik Deutschland, den demokratischen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg, die Bonner Jahre. Im Bild oben sehen Sie vlnr: das Hotel auf dem Petersberg, Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, sein Mercedes-Benz im Haus der Geschichte in Bonn.

Wenn man heute durch unsere Gegend streift, mag man vieles für selbstverständlich halten: dass man genug zu essen hat, dass man in einem Rechtsstaat lebt, dass man frei ist. Doch das ist nicht selbstverständlich, das sehen wir jeden Tag in den Nachrichten. Dieses Kapitel ist daher verbunden mit einem großen Dankeschön dafür, dass wir heute so leben können, wie wir es tun.

Ausland
1949
NATO und UN gegründet
1955
Warschauer Pakt
1957
EWG - Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft
1960-1963
US-Präsident John F. Kennedy
1967
Nahost: Sechs-Tage-Krieg
1968
"Prager Frühling"
1980-91
1. und 2. Golfkrieg
1980
Arbeiteraufstand in Polen
1985
Perestroika und Glasnost unter Gorbatschow
1989
Revolutionen in Osteuropa
1990/91
Auflösung der UdSSR

Grundgesetz

Am 1. September 1948 tritt in Bonn der Parlamentarische Rat zusammen, am 8. Ma 1949, genau vier Jahre nach der Kapitulation, legt er das Grundgesetz vor. Nach der Genehmigung durch die drei westlichen Militärgouverneure am 12. Mai 1949 tritt es am 23. Mai 1949 in Kraft. Bonn wird als vorläufige Hauptstadt bestimmt.

Die Bundesrepublik sucht die Integration in die demokratische, westliche Welt. Im ersten Bundestag sind die bürgerlichen Parteien - CDU/ CSU, SPD, FDP - in der Mehrheit. Erster Bundeskanzler wird Dr. Konrad Adenauer (CDU), erster Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss (FDP). Die herausragenden Männer der SPD jener Jahre sind Kurt Schumacher und Erich Ollenhauer.

Petersberger Abkommen

Noch gilt einschränkend das Besatzungsrecht. Die Alliierten behalten sich vor, die Arbeit der Bundesregierung zu überwachen, und richten an Stelle der Militärregierungen die Alliierte Hohe Kommission ein. Von 1949-52 residieren die Alliierten Hohen Kommissare im Hotel auf dem Petersberg. Hier wird das Petersberger Abkommen ausgehandelt, welches den Weg für den wirtschaftlichen Wiederaufbau und die staatliche Unabhängigkeit der jungen Bundesrepublik Deutschland ebnet.

1950er Jahre

Die ersten Jahre der Bundesrepublik stehen im Zeichen der Aussöhnung: der Wiedergutmachungsvertrag mit Israel 1952, der "Plan Schuman" und die Gründung der Montan-Union 1952 mit Frankreich. Die Pariser Verträge von 1955 beenden das Besatzungsregime, die Bundesrepublik ist ein souveräner Staat und wird in die westeuropäische Union und in die NATO aufgenommen.

Im Dezember 1955 reist Kanzler Adenauer auf sowjetische Einladung nach Moskau; es gelingt ihm, die Kriegsgefangenen nachhause zu holen.

Dank des Marshall-Plans, Ludwig Erhards vorausschauender Wirtschaftspolitik und des Muts, Fleißes und Optimismus unzähliger Menschen erlebt die Bundesrepublik das "Wirtschaftwunder". Die Arbeitslosigkeit der Nachkriegszeit geht zurück, 1962 ist Vollbeschäftigung erreicht, und die Menschen können sich etwas gönnen: abwechslungsreicheres Essen, eine Urlaubsreise - oder einen VW-Käfer, ein Symbol des Wirtschaftswunders.

1960er Jahre

Noch immer fliehen viele Menschen aus der DDR in den Westen. Schließlich riegelt die DDR-Regierung am 13. August 1961 die Grenze ab; in Berlin wird die Mauer gebaut. Auch wenn sie heute nicht mehr steht, symbolisiert die Mauer den Schrecken und die Menschenverachtung des totalitären Regimes. Das Brandenburger Tor ist Sperrgebiet. Die Menschen in Ost und West können es nicht durchqueren, außer den DDR-Grenzsoldaten kommt überhaupt niemand an es heran. So symbolisiert es fast dreißig Jahre lang die Teilung Berlins und des ganzen Landes.

Im Juni 1963 besucht US-Präsident John F. Kennedy und schließt seine Rede mit dem berühmten Satz: "All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and therefore as a free man, I take pride in the words: Ich bin ein Berliner."

Im Oktober 1963 tritt Konrad Adenauer zurück. Sein Nachfolger wird Ludwig Erhard, doch als Bundeskanzler ist ihm keine Erfüllung vergönnt, schon 1966 tritt er zurück; sein Nachfolger wird Kurt-Georg Kiesinger (CDU). 1967 verstirbt Konrad Adenauer in seinem Haus in Rhöndorf. Heute ist es eine Gedenkstätte.

In den 60er Jahren gerät viel in Bewegung. Die Diskussion um die Verjährung von Nazi-verbrechen und der Prozess gegen Adolf Eichmann führten zu einer tiefen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Im Bundestag regiert seit 1966 eine Große Koalition von CDU/CSU und SPD, die über eine Zwei-Drittel-Mehrheit verfügt und damit auch das Grundgesetz ändern kann. Einzige Oppositionspartei ist die FDP. Aus Protest gegen die übermächtige Große Koalition, vor allem gegen die von ihr eingebrachten Notstandsgesetze, bildet sich die "Außerparlamentarische Opposition (APO)", die vor allem von Studenten getragen wird und daher oft auch "Studentenbewegung" genannt wird, oft auch "68er".

Nach der Bundeswahl 1969 kommt es zu einer sozialliberalen Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt.

1970er Jahre

Sein Name ist verbunden mit einer neuen Ostpolitik "Wandel durch Annäherung". Als der Kanzler 1970 am Denkmal für die Opfer des Aufstandes im Warschauer Ghetto niederkniet, geht das Bild um die Welt. Tagelang wird im alten Bundeshaus über die "Ostverträge" diskutiert, sie werden live übertragen und sogar im Schulunterricht verfolgt. Am 18. September 1973 werden Bundesrepublik und DDR in die UNO aufgenommen.

Über Jahre wird die Bundesrepublik von Terroranschlägen erschüttert: Die Geiselname des "Schwarzen Septembers" bei den Olympischen Spielen München 1972, die Ermordung von Siegfried Buback, Jürgen Ponto und Hanns Martin Schleyer durch die Rote Armee Fraktion (RAF) und die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" durch verbündete palästinensische Terroristen.

Die 1980er Jahre

1982 zerbricht die sozial-liberale Koalition, am 1. Oktober 1982 stürzt Helmut Kohl (CDU) mit einem konstruktiven Misstrauensvotum Helmut Schmidt. CDU und FDP bilden eine neue Regierung ("die Wende"); bis 1998 bleibt er Kanzler.

Nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan, dem NATO-Doppelbeschluss und der Gewerkschaft Solidarność in Polen engagieren sich immer mehr Menschen für die Friedensbewegung. Auch der Umweltschutz wird ein immer drängenderes Thema, es entwickelt sich eine Umweltbewegung, aus der die Partei Die Grünen hervorgeht. 1983 ziehen die Grünen erstmals in den Bundestag ein.

Zu Beginn der 80er Jahre geht der Kalte Krieg weiter. Das ändert sich, als Michael Gorbatschov Generalsekretär der KPdSU wird. Seine Reformprogramme Perestroika und Glasnost machen "Gorbi" im Westen sehr populär; die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Westen und dem Ostblock verbessern sich. Gorbatschow drängt die anderen Regimes des Warschauer Pakts, seiner Politik zu folgen. Reformer in Ungarn und Polen sind ermutigt, doch die Hardliner, unter ihnen Erich Honecker in Ostberlin, lehnen Gorbatschows Politik rundweg ab.

"Mr. Gorbachev, open this gate!" Ronald Reagan in Berlin

Am 12. Juni 1987 spricht der damalige US-Präsident Ronald Reagan in Berlin; seine Worte gehen um die Welt: "Mr. Gorbachev, open this gate! Mr. Gorbatchev, tear down this wall!" - "Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!" Ein Jahr später macht Gorbatschow klar, dass die Sowjetunion nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten des Ostblocks eingreifen würde, wie sie es 1968 in Prag getan hatte. Polen und Ungarn sind die ersten Staaten, die sich befreien.

1989 öffnet Ungarn seine Grenze zu Österreich, und viele Ostdeutsche fliehen über Ungarn in den Westen. Ostdeutsche besetzen die westdeutschen Botschaften in Budapest, Warschau und Prag, um ihre Ausreise zu erzwingen. Im September 1989 campen Tausende Männer, Frauen und Kinder im Garten der Deutschen Botschaft in Prag, bis Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher die Nachricht bringt, auf die sie alle gewartet hatten: ihnen war die Ausreise in die Bundesrepublik gestattet.

Immer mehr Menschen in Ostdeutschland verlangen die Anpassung des politischen Kurses der DDR an den der UdSSR. Woche für Woche demonstrieren unzählige Menschen, vor allem in Leipzig. Am 7. Oktober 1989 besucht Gorbatschow Ostberlin, um den 40. Jahrestag der DDR zu feiern. Während viele Menschen auf den Straßen demonstrieren, will das Politbüro nicht umdenken und verweigert Reformen.

Die Mauer fällt

Endlich, am 9. November 1989, wird die Berliner Mauer geöffnet, und Ostdeutsche dürfen frei reisen.

Anfang 1990 gibt es Gespräche zwischen der Bundesregierung und der DDR-Regierung über die deutsche Einheit. Im Februar folgen Gespräche zwischen Helmut Kohl und Michail Gorbatschow im Kaukasus. Am 18. Mai wird die Wirtschafts- und Währungsunion unterzeichnet, die am 1. Juli in Kraft tritt. Beide Parlamente beschließen am 23. August das Datum der Wiedervereinigung. Die Siegermächte stimmen im September 1990 mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag der Einheit zu und entlassen Deutschland in die volle Souveränität.

Am 3. Oktober 1990 werden die beiden deutschen Staaten wiedervereinigt. Am 20. Juni 1991 beschließt der Bundestag in einer hart umkämpften Abstimmung, Berlin seine Hauptstadtfunktion zurückzugeben. 1999 erfolgte der Regierungsumzug vom Rhein an die Spree.

Das Gästehaus auf dem Petersberg

Zum Abschluss noch einmal ins Siebengebirge, auf den Petersberg. Das alte Hotel steht nicht mehr; an seiner Stelle wurde, unter Verwendung einiger alter Steine, ein neues Gästehaus gebaut, das dem alten Hotel nachempfunden ist. Auch dieses Hotel hat schon prominente Gäste beherbergt, unter ihnen 1994 Hillary und Bill Clinton.

Schließen möchte ich mit einem Gruß an die Spree und einem Zitat von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel: "Überraschen wir uns mit dem, was möglich ist."

Bild- und Quellennachweis

Das folgende Bild stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Creative Commons Lizenz 3.0. Es wurde im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Bundesarchiv und Wikimedia Deutschland aus dem Bundesarchiv für Wikimedia Commons zur Verfügung gestellt: Düsseldorf, CDU-Bundesparteitag, Adenauer, Bundesarchiv, B 145 Bild-F019973-0017 / Gerhard Heisler / CC-BY-SA.

Auch das nachfolgend aufgeführte Foto stammt aus der Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation
Adenauers Mercedes-Benz im Haus der Geschichte, Bonn Urheber