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Im Pfälzischen Erbfolgekrieg brennen auch Dörfer im Siebengebirge

Kanone
Bonn um 1700

In diesem Kapitel geht es um die Zeit der Erbfolgekriege; oft genug wurden kleine Staaten wie das Erzbistum Köln und das Herzogtum Berg in unserer Region in die Kriege der Großen hineingezogen.

Ausland
1643-1715
Ludwig XIV. von Frankreich
1683-1699
Türkenkrieg
1688/89
"Glorious Revolution", England
1690
Battle of the Boyne in Irland
1700-1721
Nordischer Krieg
1701
Krönung Friedrichs I. in Preußen

Mächtige und weniger Mächtige

Der Beginn des absolutistischen Zeitalters ist geprägt von Ludwig XIV. von Frankreich, dem Sonnenkönig. Er hat eine solche Machtfülle, dass man ihm den Satz zugeschrieben hat "Der Staat, das bin ich." Die meisten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation könnten das nicht von sich sagen. Die Fürsten sind Landesherrn, die Karte des Reiches gleicht einem Mosaik, und vor allem die Kurfürsten haben eine sehr starke Stellung.

Zudem ist das Reich in großer Gefahr: 1683 steht eine gewaltige türkische Armee vor der Kaiserstadt Wien. Mehrfach hat Ludwig XIV. den Sultan in Istanbul wissen lassen, dass Kaiser Leopold I. in Wien von ihm keine Hilfe zu erwarten hatte. Die Stadt scheint fast verloren, als endlich das ersehnte Entsatzheer am 12. September 1683 am Kahlenberg vor Wien die türkische Armee besiegt.

In seinem Bestreben, die Vorherrschaft in Europa zu erlangen, zwingt Ludwig XIV. seinen Nachbarländern immer wieder Kriege auf. Er plant sie in seinem Arbeitszimmer (daher der Name Kabinettskriege) mit seinen Ministern und schickt dann Söldnerheere los: Krieg gegen Holland 1681-1697, Reunionskriege 1683. Dass auch die Menschen in Frankreich unten seinen Kriegen leiden, kümmert ihn wenig.

Pfälzischer Erbfolgekrieg (1688-97): Königswinter und Rhöndorf brennen

Als der Kurfürst der Pfalz 1685 stirbt, tritt Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, der zugleich Herzog von Berg ist, die Nachfolge an. Doch auch Ludwig XIV. erhebt Anspruch auf die Pfalz; im Namen, doch gegen den Willen seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz. Als Philipp Wilhelm und sein Sohn Johann Wilhelm den Forderungen nicht nachgeben, besetzen französische Truppen die geistlichen Kurfürstentümer am Rhein und die ganze Kurpfalz. Jetzt macht fast ganz Europa Front gegen Ludwig.

Im Erzbistum Köln aber ist eine zweite Front entstanden. Bei der Wahl des Erzbischofs setzt sich der Favorit Ludwigs gegen den kaiserlichen Kandidaten Joseph Clemens durch. Sogleich zieht er in der Bonner Residenz ein und holt französische Truppen in die Region, u.a. werden Bonn und Siegburg besetzt. Die kurfürstliche Residenzstadt Bonn wird über Monate belagert und beschossen, bis sie schließlich kapituliert; weite Teile der Stadt liegen in Trümmern.

Am 23. Mai 1689 setzen etwa 600 Mann Soldateska bei Oberkassel über die Rhein. Bald werden Oberkassel und Dollendorf eingenommen und geplündert. Dann ziehen sie weiter nach Königswinter, die Stadt wird geplündert und in Brand gesteckt, fast der ganze Ort wird zerstört. Das gleiche Schicksal erleidet Rhöndorf. Dann endlich sind die Brandenburger Soldaten des Kurfürsten Friedrichs III. da und setzen dem Mordbrennen ein Ende.

Auch in der Pfalz steht die Armee Ludwigs XIV. am Rande der Niederlage. Vor dem Rückzug gibt der Kriegsminister einen schrecklichen Befehl: "Brulez le Palatinat! Verbrennt die Pfalz!" Ganze Dörfer und Städte werden ausgeplündert und niedergebrannt. Als 1697 endlich in Rijswijk Frieden geschlossen wird, geht Ludwig XIV. zwar leer aus, doch weite Regionen im Westen des Reiches liegen in Trümmern.

Bittere Armut, religiöse Bedrängnis und Auswanderung

Das Bekenntnis des Landesherrn bestimmt das seiner Untertanen; andersgläubige Menschen müssen konvertieren oder das Land zu verlassen. Ludwig XIV., der schon in Frankreich das Toleranzedikt von Nantes (1598) aufgehoben hat, will auch den Menschen in der Pfalz den Katholizismus aufzwingen. Beim Friedenschluss von Rijswijk (1697) hat er die Pfalz nur unter der Bedingung abgegeben, dass die Rekatholisierung nicht zurückgenommen wird. Das ist ganz im Sinne des streng katholischen Kurfürsten Johann Wilhelm, aber für viele Nicht-Katholiken ist es schlimm.

Seit dem Westfälischen Frieden (1648) sind das katholische, das protestantische und das calvinistische Bekenntnis anerkannt. Die Täufer hingegen, unten ihnen die Mennoniten, werden verfolgt. Mit ihrer Forderung nach Religionsfreiheit und einer radikalen Trennung zwischen Kirche und Staat sind sie eine Gefahr für die Obrigkeit. Täufer, die nicht abschwören, können sofort und ohne Verfahren hingerichtet werden (Wiedertäufermandat, Reichstag zu Speyer, 1529). Nach dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wirde das in der Pfalz toleranter gehandhabt: dem Kurfürsten Karl Ludwig sind Mennoniten als tüchtige Arbeiter willkommen, um sein zerstörtes Land wieder aufzubauen. Auch Familien aus dem Siebengebirge ziehen in die Pfalz gezogen.

Doch in der Pfalz und den angrenzenden Gebieten, die besonders unter den Kriegen gelitten hatten, kann das ruinierte Land nicht mehr alle versorgen. Bittere Not und religiöse Bedrängnis machen die Auswanderung ins ferne Nordamerika zu einer Alternative, auch wenn man kaum etwas darüber weiß. Auf der anderen Seite sucht England Siedler für seine Kolonien. Zahlreiche Werber kommen an den Mittel- und Oberrhein. Formal ist die Auswanderung zwar verboten, doch so zersplittert wie die Länder sind, können die Fürsten ihre Tätigkeit kaum unterbinden.

Auch der englische Quäker William Penn kommt zweimal nach Deutschland, um für die Ansiedlung in seiner Kolonie Pennsylvania zu werben. 1683 segeln 13 mennonitische Familien, aus dem Krefelder Raum um Franz Daniel Pastorius, die "Original 13", auf der "Concord" nach Nordamerika. In Pennsylvania gründeten sie Germantown; heute ein Stadtteil von Philadelphia.

Unsere Landesherren

Die meisten Dörfer auf der rechten Rheinseite gehören zum Herzogtum Berg (Hauptstadt Düsseldorf), das mit dem Herzogtum Jülich auf der linken Rheinseite verbunden ist. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts ist der Herzog von Berg auch Kurfürst von der Pfalz. Um 1700 regiert Johann Wilhelm, ein strenger Katholik. Auch wenn seine Untertanen am Niederrhein ihn durchaus mit Sympathie "Jan Wellem" nennen - er ist ein absolutistischer Herrscher, der keine andere Religion neben der katholischen duldet.

Die Städtchen Königswinter und Ittenbach mit den Bergen Drachenfels und Wolkenburg auf der rechten und große Ländereien auf der linken Rheinseite gehören zum Erzbistum Köln. Die Erzbischöfe sind schon seit dem Mittelalter Kurfürsten des Reiches. Von 1583 bis 1761 stellen die bayrischen Wittelsbacher die Kölner Erzbischöfe; in ihrer Bonner Residenz halten sie groß Hof. Was ihre politische oder gar militärische Macht angeht, gehören beide Landesherren in die zweite Reihe und werden immer wieder in die Konflikte der Mächtigen hineingezogen.

Zuhause am Rhein und in Amerika.
Bittere Not und religiöse Bedrängnis machen die Auswanderung ins ferne Nordamerika zu einer Alternative, auch wenn man kaum etwas darüber weiß. In dieser Geschichte geht es Menschen, die ihre geliebte Heimat verließen, um Not und Verfolgung zu entkommen.

Spanischer Erbfolgekrieg (1701-1715)

Der Frieden währt nicht lange. Als die Linie der spanischen Habsburger ausstirbt, erhebt der Habsburger Kaiser Leopold I. (1658-1705) in Wien Anspruch auf die spanische Krone für seinen zweiten Sohn Karl. Doch auch Ludwig XIV. will das spanische Weltreich und bringt seinen Enkel auf den spanischen Thron. Sofort hat er England, die Vereinten Niederlande und fast alle deutschen Fürsten gegen sich.

Bayern jedoch stellt sich auf Ludwigs Seite; Kurfürst Max Emanuel hofft wohl, so König der Spanischen Niederlande zu werden. Auch sein Wittelsbacher Verwandter Erzbischof Joseph Clemens von Köln verbündet sich mit Ludwig XIV. 1702 besetzen kaisertreuen Truppen unter Friedrich I. in Preußen Bonn, die Residenzstadt des abtrünnigen Erzbischofs. Joseph Clemens flieht ins französische Exil und wird 1706 vom Kaiser geächtet.

Den französischen Truppen stehen zwei militärische Genies gegenüber: Prinz Eugen von Savoyen und John Churchill, der Herzog von Marlborough. Ludwig XIV. steht am Rand einer Niederlage, sein Volk leidet Hunger und Not, sein Staat ist fast ruiniert.

Da tritt eine für ihn glückliche Wendung ein. Kaiser Leopold I. verstirbt 1705, sein ältester Sohn und Nachfolger Joseph I. überlebt ihn nicht lange. Nun erbt Karl die Kaiserkrone, eben der Karl, für dessen spanische Krone die Allianz kämpft. Doch sie hat nicht gegen eine drohende Vorherrschaft Frankreichs gekämpft, um nun die der Habsburger zu dulden. Die Allianz fällt auseinander und man schließt Frieden mit Frankreich. Ludwigs Enkel erhält Spanien, Österreich die Spanischen Niederlande; Karl wird als Karl VI. Kaiser (1711-1740).

Rokoko-Fürsten: Die Erzbischöfe Joseph Clemens und Clemens August

Erzbischof Josef Clemens hat alle seine Würden und Länder zurückerhalten. Nun beginnt er mit dem Wiederaufbau des Wasserschlosses in Brühl und dem Bau des Poppelsdorfer Schlosses in Bonn. Sein Nachfolger Clemens August I. von Bayern, ein Sohn Kurfürst Max Emanuels, bringt so viele Ämter und Territorien an sich, dass man ihn "Monsieur des Cinq Eglises" (Herr von Fünfkirchen) nennt. Der Luxusmensch und Kunstmäzen baut in Bonn das Poppelsdorfer Schloss und die Residenz aus und lässt die Poppelsdorfer Allee anlegen. In Brühl entstehen die Schlösser Augustusburg und Falkenlust.

Pfalz oder Preußen - Wem gehört das Herzogtum Berg?

In Berlin regiert inzwischen Friedrich Wilhelm I., der "Soldatenkönig" ein treuer Untertan Kaiser Karls VI. Schon sein Großvater, der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm, hatte Anspruch auf Jülich-Berg erhoben, sich aber nicht durchsetzen können. So hatte er 1666 er einen Vergleich mit Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg geschlossen: beim Aussterben des Mannesstamms der einen Linie sollte die andere sie beerben.

Das scheint nun soweit und Friedrich Wilhelm I. in Preußen will sich die Nachfolge sichern. Er schließt mit Kaiser Karl VI. zwei Verträge, in Wusterhausen (1726) und Berlin (1728): der Kaiser garantiert seinen Anspruch auf Jülich-Berg, Friedrich Wilhelm erkennt die Pragmatische Sanktion von 1713 an, die höchst umstrittene Erbfolge der Kaisertochter Maria Theresia.

Doch zunächst muss die Pragmatische Sanktion von den anderen Herrschern anerkannt werden. Über Jahre verhandelten die kaiserlichen Gesandten und müssen große Zugeständnisse machen. Der Preußenkönig hingegen wirbt sogar für de Pragmatische Sanktion. Doch er merkt nicht, wie wenig seine Treue belohnt wird, im Gegenteil. Die Wiener Diplomatie manövriert ihn immer wieder aus, und das sogar in des Königs abendlicher Lieblingsrunde, dem "Tabakkollegium". Kaiser Karl VI. in Wien sympathisiert längst mit dem Haus Pfalz-Sulzbach; weder er noch die Niederlande, England oder Frankreich wollten eine starke Präsenz Preußens im Westen. Den Preußenkönig braucht er nur so lange, wie er mit den anderen Mächten verhandelt.

Als 1738 schließlich auch Frankreich der Pragmatischen Sanktion zustimmt, ist es soweit: der Kaiser gibt das Herzogtum Jülich-Berg an das Haus Pfalz-Sulzbach. Erst als der kaiserliche Bescheid in Berlin überreicht wird, merkt Friedrich Wilhelm, wie sehr er hintergangen wurde. Er zeigt auf den Kronprinzen und sagt: "hier steht einer, der mich rächen wird." Das hat Friedrich II. dann auch getan.

Nach dem Tod des letzten Herzogs aus der Linie Pfalz-Neuburg 1742 erbt sein Neffe Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach seine Ländereien und Titel. So wird er auch Herzog von Jülich und Berg. Vor allem ist Carl Theodor Kurfürst von der Pfalz, unter ihm wird seine Residenzstadt Mannheim zu einem kulturellen Zentrum europäischen Rangs. Düsseldorf, die Hauptstadt des Herzogtums Berg, verdankt ihm die barocke Stadterweiterung und Schloss Benrath.

Durch Erbschaft wird Carl Theodor 1777 auch noch Kurfürst von Bayern, nach ihm ist der Münchner Karlsplatz benannt. Doch er wird nicht mit Bayern warm, und die Bayern nicht mit ihm (noch heute sagt man dort viel eher "Stachus" als "Karlsplatz").

Preußen wird Großmacht - Friedrich II. (1740-1786)

1740 sterben kurz hintereinander Friedrich Wilhelm I. in Potsdam und Karl VI. in Wien. Nun ist Friedrich II. König, ein Anhänger der Aufklärung, der mit Voltaire korrespondiert und in seiner Schrift "Antimachiavel" sein Idealbild eines pflichtbewussten, friedliebenden Fürsten gezeichnet hat. Gleich zu Beginn seiner Regierung beseitigt er die Folter im Strafprozess (außer bei Hochverrat und bei Bandenverbrechen) und schafft die grausamsten Strafen ab. Friedrich verkündigt religiöse Toleranz in seiner berühmten Randnotiz, dass "ein jeder nach seiner eigenen Fasson selig werden sollte". Zugleich macht er von Anfang an klar, dass er sich von niemandem würde hineinreden lassen.

Friedrich sucht Ruhm für sich selbst und sein Königreich, und nach dem Vertragsbruch des Kaisers seinem Vater gegenüber fühlt er sich nicht mehr an die Pragmatische Sanktion gebunden. Während die anderen noch verhandelten, schafft Friedrich Tatsachen: An der Spitze seiner Truppen besetzt er 1741 Österreichs reiche Provinz Schlesien. In den folgenden zwei Schlesischen Kriegen 1741/42 und 1744/45 kann er sie behaupten. Im Ausland geht der Österreichische Erbfolgekrieg noch drei Jahre weiter; erst im Frieden von Aachen 1748 wird die Pragmatische Sanktion und die Erbfolge der Kaiserin Maria Theresia endlich anerkannt. Doch dieser Frieden ist eher ein Waffenstillstand.

Maria Theresia hat sich mit dem Verlust Schlesiens nicht abgefunden, in ihren Augen ist es schreiendes Unrecht und dafür hasst sie Friedrich. Ihrem genialen Außenpolitiker Graf Kaunitz gelingt es, ein Bündnis mit Russland, Sachsen und sogar Frankreich, Habsburgs jahrhundertelangem Feind, zu schmieden. Auf Preußens Seite steht nur England, leistet aber nur finanzielle Hilfe, um französische Truppen auf dem Kontinent zu binden, während es in Nordamerika gegen die Franzosen kämpft.

Ein fürchterlicher Krieg bricht aus. Friedrichs Siege über die Reichsarmee und die Franzosen machen ihn populär, doch er erleidet auch furchtbare Niederlagen. Der Krieg bringt Friedrich und Preußen an den Abgrund, doch am Ende ist Preußen zur fünften Großmacht in Europa aufgestiegen. Endlich wird 1763 der Frieden von Hubertusburg unterzeichnet, der Schlesien endgültig Preußen zuspricht. Friedrich II. sagt Maria Theresias Sohn Joseph seine Stimme bei der anstehenden Kaiserwahl zu. Und er verzichtet auf das Herzogtum Jülich-Berg.

Der Deutsche Dualismus

Im Reich gibt es nun zwei Großmächte, der "deutsche Dualismus" ist entstanden. Das schlägt sich auch im Sprachgebrauch nieder. Den Namen "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" findet man nach dem Ende des Mittelalters kaum mehr. Danach heißt es eher "Altes Reich" oder "das Reich". Nicht nur die Großmächte Preußen und Österreich, auch die größeren Fürstentümer machen ihre eigene Politik.

1765 wird Joseph II. zum Kaiser (1765-90) gewählt. Sein Vorbild ist ausgerechnet Preußen, er bewundert Friedrich auch persönlich. Beide sehen kein Unrecht darin, sich in Abstimmung mit Zarin Katharina II. bei der ersten polnischen Teilung 1772 große Stücke Polens anzueignen. Friedrich bekommt Westpreußen, und jetzt sind endlich alle preußischen Gebiete in seiner Hand und er kann sich "König von Preußen" nennen.

Bild- und Quellenachweis

Das Bild von Bonn um 1700 stammt aus der Public Domain Section der Wikipedia.