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Der Dreißigjährige Krieg verheert auch unsere Region

Tod und Zerstörung im Dreijährigen Krieg

Das Reich um 1600. Nach dem Augsburger Religionsfrieden können Katholiken und Lutheraner - jedoch nicht Täufer und Calvinisten - für einige Jahrzehnte in Frieden ihre Religion ausüben.

Ausland
1607
Gründung von Jamestown in den USA
1620
Die Pilgrim Fathers landen
in Amerika
1624-42
Kardinal Richelieu zentralisiert die Macht in Frankreich

In jenen Jahren schreiben die Religionsgemeinschaften ihren Normen fest; katholische Länder grenzen sich von protestantischen ab und das führt zunehmend zu Spannungen im Reich. Das Reichskammergericht, das über den Konfessionen stehen und schlichten soll, wird handlungsunfähig. Als 1608 die protestantischen Fürsten einen Reichstag verlassen, scheint es unmöglich, dass das Reich den Frieden sichern kann. Mehrere protestantische Fürsten schließen sich zur "Union" zusammen; im Gegenzug bilden die katholischen Fürsten die "Liga".

Prager Fenstersturz (1619)

Kaiser Ferdinand I. (1556-64) und seine Nachfolger Maximilian II. (1564-76), Rudolf II. (1576-1612) und Matthias (1612-19) haben den Augsburger Religionsfrieden respektiert und Kämpfe der Religion wegen im Reich vermieden. Das ändert sich, als der streng katholische Ferdinand II. (1619-37), Erzherzog von Österreich und Kronprinz von Böhmen, den Thron besteigt. Er will seinen Ländern die religiöse Einheit aufzwingen. Mit anderen Worten: den Katholizismus. Das bringt den protestantischen, überwiegend hussitischen böhmischen Adel sehr gegen ihn auf. Am 23. Mai 1618 werfen aufgebrachte protestantische Böhmen die kaiserlichen Beamten in hussitischer Tradition aus dem Fenster der Prager Burg. Böhmen ist in Aufruhr.

Böhmisch-Pfälzischer Krieg (1618-23)

Die Böhmen holen Friedrich, den calvinistischen Kurfürsten der Pfalz auf ihren Thron, doch er unterliegt schon 1620 gegen Kaiser Ferdinand II. Böhmen wird zwangsweise rekatholisiert. Der Krieg könnte hier enden, doch der Dreißigjährige Krieg nährt sich immer wieder aus sich selbst. Als Söldnertruppen der protestantischen Seite marodierend nach Westfalen ziehen, marschiert der katholische Feldherr Tilly mit seiner Armee hinterher und schlägt sie in der Schlacht.

Auch der Unabhängigkeitskrieg der Niederlande gegen Spanien wird zum Teil auf Reichsgebiet ausgetragen. 1620 besetzen holländische Truppen die Rheininsel "Komper Werth" bei Bonn.

Niedersächsisch-Dänischer Krieg (1625-29)

Die siegreiche katholische Armee im Norden lässt die protestantischen Fürsten um ihren Besitz fürchten. Angeführt von Christian IV. von Dänemark, unterstützt von Holland und England, nehmen sie den Kampf auf. Inzwischen verfügt der Kaiser über eine zweite Armee unter General Albrecht von Wallenstein, einem Kriegsgewinnler des böhmisch-pfälzischen Kriegs. Er ist besonders rücksichtslos gegen die Zivilbevölkerung und presst ihr ab, was seine Truppen brauchen. Wallenstein und Tilly besiegen die protestantischen Heere und besetzen ganz Norddeutschland. Wallenstein schickt sich an, den Nord- und Ostseeraum für den Kaiser zu erobern.

Auf der Höhe seiner Macht, erlässt Kaiser Ferdinand II. 1629 das "Restitutionsedikt": Aller Kirchenbesitz, den katholische Geistliche beim Übertritt zum Luthertum entgegen den Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens mitgenommen haben, wird zurückgefordert. Hier geht es um sehr viel, und käme der Kaiser damit durch, hätte er der Reformation beträchtlich geschadet und zugleich seine Macht ungeheuer gestärkt. So bringt er alle Fürsten, Katholiken wie Protestanten, gegen sich auf. Er muss das Edikt revidieren, und Wallenstein, der verhasste Emporkömmling, muss gehen.

Schwedischer Krieg (1630-35)

Die ehrgeizigen Pläne des Kaisers für den Ostseeraum haben die Schweden unter König Gustav Adolf alarmiert. Sie wollen ihre Vorherrschaft verteidigen, und als Protestanten die Vernichtung der Reformation im Reich verhindern. 1630 tritt Schweden in den Krieg ein, finanziell unterstützt von Frankreich unter Kardinal Richelieu. Zwar sind die Franzosen Katholiken, doch Richelieu will nicht zulassen, dass die Habsburger eine Vormachtstellung in Europa erlangen.

Die norddeutschen Fürsten halten sich zurück. Erst als Magdeburg 1631 fällt und in Flammen aufgeht, bekommt Gustav Adolf Unterstützung von ihnen. Nun zieht er nach Süden, zweimal besiegt er Tillys Armee und steht 1632 in München. Die Liga scheint am Ende. Tilly ist tödlich verwundet worden, und der Kaiser ruft Wallenstein zurück. Nachdem er maßlose Forderungen erfüllt bekommen hat, zieht Wallenstein gegen die Schweden, kann sie aber nicht besiegen. Doch 1632 fällt Gustav Adolf in der Schlacht, ein schwerer Schlag für die protestantische Seite. Wallenstein setzt nicht nach, vielmehr sieht er zu, wie die Schweden weitere Städte erobern und verhandelt mit mehreren Seiten. Was auch immer seine Motive gewesen sein mögen - für den Kaiser ist es Hochverrat, Wallenstein wird abgesetzt und geächtet. Wenig später wird er ermordet (1634).

Nun übernimmt Erzherzog Ferdinand die Führung der kaiserlichen Truppen. Er erobert Süddeutschland von den Schweden zurück. Brandenburg und Sachsen schließen Frieden mit dem Kaiser.

Zerstörung der Burgen Drachenfels und Löwenburg im Siebengebirge (1632)

Der Kölner Erzbischof hat Tilly drei Regimenter zur Verstärkung geschickt. 1632 zieht der schwedische General Baudissin gegen das Erzbistums Köln. Überall wird gekämpft, geplündert und gebrandschatzt. Im November 1632 erobern die Schweden den Drachenfels und schleifen die Außenwerke der Burg. Doch vermutlich bereits kurz darauf werden sie von den Spaniern vertrieben.

Um die gleiche Zeit, 1633, wird die Löwenburg zerstört. Einige Jahre später lässt der Kölner Erzbischof die Burg auf dem Drachenfels ganz abreißen. Eine Instandsetzung wäre viel zu teuer wohl auch sinnlos gegen Kanonen und Feuerwaffen; zudem ist die halb zerstörte Burg ein guter Schlupfwinkel für Feinde und Gesetzesbrecher.

Schwedisch-Französischer-Krieg (1653-48)

Als es 1635 so aussieht, als könnte das Land Frieden finden, tritt Frankreich offen in den Krieg ein. Schon lange geht es nicht mehr um einen Glaubenskrieg innerhalb Deutschlands, sondern um die Vorherrschaft in Europa. Es folgen Schreckensjahre.

Viele Heerführer haben Wallensteins Vorgehen, der Zivilbevölkerung den Unterhalts seines Heeres abzupressen, übernommen; der jahrzehntelange Krieg hat die Kämpfer verroht. Söldnerheere mit ihrem Tross ziehen durch die Lande, unter ihnen viele Abenteurer oder gar Kriminelle. Verspätet oder gar nicht besoldet, halten sie sich durch Diebstahl, Raub oder Brandschatzung schadlos. Während die Menschen in den ummauerten Städte einigermaßen geschützt sind, haben die Menschen in den Dörfern keine Chance. Schweden, Holländer und Hessen ziehen raubend und plündernd durch das Land.

1638 berichtet Wolfgang Wilhelm, der Herzog von Jülich-Kleve-Berg, berichtet, dass im Bergischen Land kaum ein Sechstel der Einwohner überlebt hat. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges sind weite Landstriche verödet und menschenleer. Nicht nur der Krieg, auch Hunger und Seuchen haben viele Menschen dahingerafft.

Westfälischer Friede (1648)

1648 wird in Münster und Osnabrück Frieden geschlossen. Die Calvinisten bekommen die gleichen Rechte wie die Lutheraner. Die Niederlande und die Schweiz scheiden aus dem Reich aus. Die Fürsten nehmen an den Verhandlungen teil und bekommen die volle Souveränität in ihren Ländern zugesprochen. Das Reich besteht nun aus ca. 300 kleineren und größeren Einzelstaaten, und es ist bettelarm.

Eine erneute Pestwelle (1666) als Folge des Krieges bringt noch mehr Leid.

Bild- und Quellenachweis

Das Bild von Wallenstein stammt aus der Public Domain Section der Wikipedia.